Wie läuft eine Implantat-Behandlung ab?

Bevor eine Implantat-Therapie eingeleitet wird, sollte geklärt sein, ob der Ersatz des eigenen Zahns oder der eigenen Zähne die beste Lösung darstellt. Zur Zahnersatz-Planung gehört oft auch, dass Zähne gezogen werden müssen.

Entscheidet man sich nach dem Verlust eines Zahns oder mehrerer Zähne für eine Zahnersatz-Versorgung in Form von Zahnimplantaten, dann ist die umsichtige Planung und Umsetzung der einzelnen Behandlungsschritte Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Ergebnis.

Implantologe mit Lupenbrille
Vertrauen zu Ihrem Zahnarzt ist Teil der erfolgreichen Implantatbehandlung

Wie ist die Ausgangssituation des Kiefers?

Sind schon lange Zahnlücken da? Oder hat man Zähne frisch durch einen Unfall verloren? Plant man für einen „Wackelkandidaten“, einen Zahn, der bald ausfallen wird? Die Ausgangssituation des Kiefers bestimmt den Behandlungsverlauf.

a) Der Zahnverlust hat bereits stattgefunden

Verliert man bei einem unvorhersehbaren Ereignis, wie einem Unfall, einen Zahn oder mehrere Zähne, stellt einen das vor vollendete Tatsachen. Man muss sich keine Gedanken über mögliche Zahnerhaltungs-Maßnahmen machen. 

Entscheidet man sich für ein Zahnimplantat, können die ersten Behandlungsschritte eingeleitet werden.

oder

b) Muss ein Zahn gezogen werden?
Zahnschmerzen können in jedem Alter auftreten
Muss der schmerzende Zahn wirklich raus?

Bevor man sich die Frage nach dem optimalen Zahnersatz stellt, sollte sicher geklärt sein, ob ein Zahn überhaupt ersetzt werden muss. Das Ziehen und Ersetzen eines Zahns muss nicht immer die beste Option sein.

Eine scharfe Abgrenzung, ab wann ein Zahn nicht mehr oder mit welchem Aufwand doch zu erhalten ist, gibt es allerdings nicht. Hier muss individuell das Verhältnis von Aufwand und Nutzen abgewägt werden, inwiefern es sich lohnt, einen Problemzahn zu erhalten.

Eine ganze Reihe Erkrankungen und Situationen können gegen den Zahnerhalt sprechen.

Gründe für das Ziehen von Zähnen:

zange und extrahierter zahn
Wann muss ein Zahn raus?

Warum Zähne raus müssen, welchen  Einfluss bestimmte Faktoren auf die Prognose betroffener Zähne haben und was das für ein späteres Implantat bedeutet, erfahren Sie hier

> Wann müssen Zähne gezogen werden?

Gute Planung: das Fundament der Implantat-Therapie

Für das erste Gepräch sollten sich Patient und Behandler viel Zeit nehmen.
Der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten (Anamnese) wird dabei überprüft: Liegen Erkrankungen vor oder werden regelmäßig Medikamente eingenommen, die als Gegenanzeige für Implantate gelten können?

Anamnese: Den Patienten kennen lernen

Das Gespräch zwischen Patient und Zahnarzt ist sehr wichtig für die Implantatbehandlung

Der Gesundheitszustand des Patienten ist zentraler Ausgangspunkt einer Behandlung. Es gibt einige Dinge, die vorab geklärt werden müssen, damit eine Implantatbehandlung (erfolgreich) stattfinden kann.

Was sind die Wünsche des Patienten?

Haben Zahnarzt und Patient die gleichen Vorstellungen?

Die individuellen Patientenwünsche sind außerdem elementarer Teil des Erfolges: Lassen sich die Vorstellungen und Wünsche des Patienten umsetzen? Oder kann nicht auf jeden Punkt Rücksicht genommen werden? Sind Implantate möglich und auch sinnvoll?

Die Implantatbehandlung vorbereiten

Kann die Behandlung los gehen?

Nicht immer kann eine Implantat-Behandlung sofort eingeleitet werden. Ein Grund kann zum Beispiel eine Parodontitis sein. Die entzündliche Zahnbetterkrankung muss in jedem Fall vor einer Implantation behandelt werden. Genauso ist es auch bei Entzündungen der Zahnwurzel oder Kariesbefund.

Stimmt der Zubiss? Ist genug Knochen für ein Implantat da?

Biss und Kiefergelenk des Patienten müssen ebenfalls unter die Lupe genommen werden: ist der geplante Zahnersatz möglich, oder muss zum Beispiel erst eine Bisskorrektur erfolgen?

Für das Beratungsgespräch sollte bereits ein Röntgenbild vorliegen, um die Knochenverhältnisse einschätzen zu können und Befunde zu erkennen. Muss vor der geplanten Implantation ein Knochenaufbau erfolgen? Ist die Implantation an der gewünschten Stelle risikoreich?

3D-Planung für die Implantation

3D Implantatplanung OK 4 verschiedene Ansichten
Bei komplexen Kiefersituationen lohnt sich die 3D-Planung

Normalerweise kann der Implantologe mit Hilfe eines Röntgenbildes Lassen sich die Knochenverhältnisse nicht genau einschätzen oder wird das Implantat nah zu einem Nerv positioniert, ist ein Computertomogramm bzw. eine digitale Volumentomographie (DVT) anzufertigen.

In komplizierten Fällen hilft eine 3D-Planung

Die Knochenverhältnisse und umliegenden Strukturen (Nerv-Verläufe, Ausdehnung der Kieferhöhle) werden in der dreidimensionalen Darstellung ersichtlich und das Verletzungsrisiko erheblich gesenkt.

Die Datenauswertung und Operations-Simulation (3D-Planung) am Computer, sowie der Einsatz von Computerhilfen (z.B. durch Navigations-Systeme oder 3D-Bohrschablonen) während der Implantation sind in der modernen Zahnarztpraxis gang und gäbe.

Sind die Behandlungskosten geklärt?

Was kosten Zahnimplantate
Was kosten neue Zähne?

Nach den nötigen Voruntersuchungen und der Implantat-Planung kann der Implantologe den Kostenvoranschlag für die Implantatbehandlung erstellen.

Erfahrener Implantologe kann einen Preis nennen

Exakt lassen sich die Kosten nicht errechnen. Während der Behandlung können Änderungen im Verlauf nötig sein. Die Kosten für die Zahntechnik und der Materialverbrauch können auch nur geschätzt werden. Ein erfahrener Implantologe kann den Aufwand und Verlauf in der Regel gut einschätzen und einen realistischen Preisrahmen festlegen.

Der Behandler kann auf Wunsch des Patienten Einsparmöglichkeiten aufzeigen, zum Beispiel durch Zahnersatz aus dem Ausland.

Muss ein Knochenaufbau erfolgen?

Kieferknochen
Ist der Kieferknochen breit/hoch genug für ein Implantat?

Es ist möglich, dass der Kieferknochen nicht genug Platz für ein Implantat bietet. Liegt der Zahnverlust zum Beispiel schon einige Zeit zurück, baut sich der Knochen an dieser Stelle von selbst ab. Diesen natürlichen Prozess nennt man Atrophie.

Übrigens

"Zu wenig Knochen" kann sich sowohl auf die Breite, als auch auf die Höhe des Kieferknochens beziehen.

Je nach Befund stehen verschiedene Techniken für einen Aufbau des Kieferknochens zur Verfügung. Aufwand, Schwierigkeitsgrad und Kosten unterscheiden sich bei den verschiedenen Verfahren stark.

Alle Informationen über Knochenersatzmaterialien, Knochenzüchtung und die verschiedenen Maßnahmen zur Knochengewinnung gibt es hier > Knochenaufbau für Zahnimplantate

Dünne und kurze Implantate statt Knochenaufbau

Ein Knochenaufbau kann manchmal durch kurze oder dünne Implantate umgangen werden. Dadurch reduzieren sich Zeit und Kosten der Implantatbehandlung.

> Kurze Implantate

> Dünne Implantate

Risiken der Implantatbehandlung und Aufklärung

Zahnarzt erklärt Patientin ein Röntgenbild
Was kann bei einer Implantation schief gehen?

Genau wie die Kostenfrage, müssen auch die Risiken einer Implantat-Behandlung vorab geklärt werden. Was kann schief gehen? Welche Folgen kann das haben?

Eine Implantat-Behandlung verläuft in den allermeisten Fällen erfolgreich. Das Auftreten unvorhergesehener Komplikationen ist dennoch möglich. Der Behandler muss den Patienten vorher über alle Risiken und möglichen Komplikationen aufklären.

Einwilligung des Patienten notwendig

Eine Implantation ist ein chirurgischer Eingriff. Deswegen ist eine schriftliche Einwilligung des Patienten notwendig. Diese sollte auch erst unterschrieben werden, wenn keine Fragen mehr offen sind.

Antibiotika-Prophylaxe vor Implantat-OP

Was nützen Antibiotika vor der Implantat-OP?

Der Mundraum ist kein Ort, an dem sterile Verhältnisse herrschen oder hinzubekommen sind. Die Frage, ob die prophylaktische Einnahme von Antibiotika das Infektionsrisiko bei einem chirurgischen Eingriff in der Mundhöhle minimieren kann, ist Thema vieler Untersuchungen gewesen.

Präoperative Antibiotika-Einnahme: sinnvoll!

Die Erfolgsquote in der Implantologie ist auch ohne Antibiotika-Prophylaxe enorm hoch. Es steht jedoch fest: eine präoperative Antibiotika-Einnahme ist sinnvoll. Ganz besonders bei komplizierten Operationen mit vielen Implantaten und/oder einem Knochenaufbau.

Einmalnahme verringert Infektionsrisiko deutlich

Das Risiko eines Implantat-Verlusts wird durch die Einmalgabe („single-shot“ mit Amoxicillin (2g) vor der OP) deutlich verringert.

Ob eine Einnahme nach der Operation ebenfalls sinnvoll ist, ist nicht geklärt. Ohne vor der OP damit begonnen zu haben, nützt die postoperative Einnahme eines Antibiotikums zumindest ziemlich wenig.

Ohne Schmerzen und Angst durch die Implantation

Angstpatient g
Ohne Schmerzen und ohne Angst durch die Implantatbehandlung

Sind alle Fragen geklärt und alle Vorbereitungen getroffen, kann’s los gehen.

Damit der Eingriff nicht weh tut, reicht eine lokale Betäubung aus. Moderne Lokalanästhetika sind zuverlässig. Den meisten Patienten wird es jedoch bei der Vorstellung mulmig, etwas in den Knochen eingeschraubt zu bekommen. Die Angst vor der Operation verlangt dann nicht selten eine stärkere Betäubung.

Was hilft gegen angst beim Zahnarzt?

Lassen Sie sich bei Angst vor der Implantat-OP die Optionen von Ihrem Zahnarzt aufzählen. Mehr Infos zu oraler Sedierung, Lachgas und Vollnarkose.

Die Implantation

Wie lange dauert eine Implantation?

Nach der Betäubung öffnet der Implantologe das Zahnfleisch an der Behandlungsstelle mit einem chirurgischen Messer oder einer Stanze. Dann wird mit speziellen, wassergekühlten Bohrern der Kanal gebohrt, der später das Implantat aufnehmen soll.

Damit das so präzise wie möglich klappt, können sogenannte Bohrschablonen zum Einsatz kommen.

Implantologe bekommt Navigationshilfe vom Computer

Der Behandler kann zusätzlich auf computergestützte Navigationshilfen zurückgreifen. Ein dreidimensionales Bild zeigt ihm dann genau, wie der Bohrwinkel sein muss, um bestimmte Nervenstrukturen nicht zu verletzen.

Im Anschluss an das Bohren (von dem der Patient allenfalls ein leichtes Vibrieren verspürt) wird eine Röntgenaufnahme (Implantatschablone) gemacht. Dadurch kontrolliert der Implantologe, ob die Implantatposition gut ist, oder optimiert werden muss.

Bei perfekter Position kann das Implantat eingebracht werden.

Stimmt alles? Dann wird das Implantat eingeschraubt

Die meisten Implantat-Systeme haben ein Schraubgewinde und bekommen durch das Eindrehen den gewünschten sicheren Halt im vorgebohrten Kanal.

Durch das Einschrauben des Implantats mit Drehmoment wird der feste Sitz überprüft. Der feste Halt (Primärstabilität) ist ein wichtiger Faktor, um zu bestimmen, ob eine Sofortbelastung möglich oder sinnvoll ist.

Wie lange dauert eine Implantat-OP?

Die Dauer des Eingriffs hängt von der Anzahl der Implantate ab, und wie schwierig der Eingriff ist. Der Schwierigkeitsgrad hängt mit der Implantatposition, einem möglichen zusätzlichen Knochenaufbau und dem Patienten selber zusammen. Leidet der Patient zum Beispiel unter starkem Würgereiz oder bekommt er den Mund nicht weit auf, macht es die OP für den Zahnarzt besonders schwierig.

Die Routine des Behandlers kann auch etwas mit der Dauer einer Implantat-OP zu tun haben.

Eine Implantation kann 15 Minuten, aber auch mehrere Stunden dauern.

Die Implantateinheilung: offen oder geschlossen?

Zahnaerztin und Patient
Wie heilt ein Implantat am besten ein?

Ist die Implantation abgeschlossen, gibt es zwei Einheilungs-Methoden: Entweder kann das Zahnfleisch an der Implantatstelle wieder dicht vernäht werden und geschützt unter dem Zahnfleisch einheilen (geschlossene Einheilung), oder auf das Implantat wird eine Deckkappe aufgeschraubt, ein sogenannter Gingivaformer (offene Einheilung). Dieser kleine Pfosten verhindert, dass das Zahnfleisch über dem Implantat zusammen wächst.

Offene oder geschlossene Einheilung: Wann macht man was?

Es kommt drauf an. Die Methode der geschlossenen Einheilung ist beispielsweise Standard nach einem Knochenaufbau. Das dichte Vernähen sorgt für einen Schutz vor äußeren Einflüssen und verhindert, dass Partikel (Knochenspähne, Knochenersatzmaterial) abwandern.

Bei der offenen Einheilung sind die Implantate in der Regel einteilig, Implantat und Aufbau sind aus einem Stück gefertigt. Der Aufbau ragt dann aus dem Zahnfleisch heraus. Einteilige Implantate werden normalerweise für eine Sofortbelastung verwendet. Damit ist gemeint, dass sofort nach der Implantation das Zahnimplantat mit Zahnersatz versorgt werden kann.

Übrigens

Ist der Implantation kein Knochenaufbau vorausgegangen, verzeichnen beide Einheilmethoden die gleichen Erfolgsraten.

Die Implantat-Einheilung braucht Zeit

Die dauerhafte Stabilität und die Belastbarkeit von Implantaten hängt mit der Einheilung in den Kieferknochen (Osseointegration) zusammen. Im Idealfall dauert die Einheilung 4 Wochen, nach einem Knochenaufbau ist mit einer Einheilungszeit von mehreren Monaten zu rechnen. Das Prinzip der Sofortversorgung und Sofortbelastung ändert nichts an der Zeit, die der Knochen zum „verwachsen“ mit dem Implantat braucht.

Sitzt das Implantat fest im Knochen?

Durch Röntgenbilder und Festigkeitstests,  wie zum Beispiel die Resonanz-Frequenz-Analyse, kann während der Einheilphase die Implantat-Stabilität beurteilt werden. Bei guter Resonanz kann der nächste Schritt eingeleitet werden.

Die geschlossene Einheilung bedeutet, dass das Implantat später wieder freigelegt werden muss: Freilegung nach geschlossener Einheilung

Was muss nach der Implantat-OP beachtet werden?

Nach der Implantat-OP: kühlen, kühlen, kühlen!

Wie nach jedem chirurgischen Eingriff ist es auch nach einer Implantation wichtig, sich zu schonen. So früh wie möglich sollte außerdem damit begonnen werden, die operierte Region zu kühlen. Die Kühlung (mit beispielsweise einem Kühlakku, eingeschlagen in ein Handtuch) der Wange von außen wirkt einer übermäßigen Schwellung entgegen. 

Zusätzlich hat es einen schmerzlindernden Effekt. Auf den direkten Hautkontakt mit Eis sollte unbedingt verzichtet werden, da die Haut Schaden nehmen kann.

Schmerzen nach der Implantat-OP

Entgegen der weitläufigen Meinung, Implantate seien mit schrecklichen Schmerzen verbunden: das sind sie typischerweise nicht.

Am Tag der Operation und 1-2 Tage darauf sind leichte Schmerzen normal. Diese lassen sich jedoch mit leichten bis mittelschweren Schmerzmitteln gut „in den Griff kriegen“.

In den meisten Fällen kann sogar schon einen Tag nach dem Eingriff auf Schmerzmittel verzichtet werden. Hat zusätzlich ein Knochenaufbau stattgefunden, können Schmerzen und Dauer der Schmerzen anders sein.

Übrigens

Sollten die Schmerzen nicht abklingen oder stärker werden, dann stimmt etwas nicht! Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt.

Nach der OP aufs Rauchen verzichten

So schwierig sich das vielleicht für den ein oder anderen Patienten umsetzen lässt: das Rauchen sollte nach einer Implantation so lange wie möglich unterlassen werden.
Generell wird die körpereigene Abwehr durch das Rauchen geschwächt, außerdem funktioniert die Durchblutung schlechter.

Die Giftstoffe lagern sich in Mundhöhle und Implantations-Wunde an, der Heilungsverlauf wird gestört.

Mundpflege nach einer Implantation

Die Wundheilphase sollte in den ersten Tagen nach der Implantation streng kontrolliert werden. Sinnvoll ist das vorsichtige Spülen mit desinfizierenden Mundspüllösungen.

Wichtig ist, keine aggressiv konzentrierten Lösungen zu verwenden und nur leicht zu spülen, da der schützende Fibrin-Film auf der Wunde sonst weggespült werden- und es zu Nachblutungen kommen kann.

Zahnpflege nach Implantation/Fädenziehen

Die Fäden, mit denen das Zahnfleisch nach der Implantation vernäht wurde, werden nach 7-20 Tagen entfernt.

Bei einteiligen Implantaten (Aufbau und Implantat sind aus einem Stück gefertigt) und offener Einheilung muss spätestens nach der Entfernung der Fäden mit der Pflege begonnen werden.

Die schädlichen Bakterien, die sich in Form von Plaque um den Implantataufbau ansiedeln, sollten anfangs mit einer weichen Zahnbürste entfernt werden. Das Zahnfleisch wird dadurch ebenfalls straff und gesund gehalten.

Was darf man nach der Implantation essen und trinken?

Was darf man nach einer Implantation essen?
Was darf nach Implantation gegessen und getrunken werden?

Grundsätzlich gilt: Gegessen werden darf alles, worauf man Appetit hat. Das kann sich aber je nach Umfang der Implantation schwierig gestalten, die Nahrungsaufnahme kann eingeschränkt sein. Es empfiehlt sich daher, weiche und flüssige Nahrung in der Zeit nach der Operation zu sich zu nehmen.

Erst essen, wenn die Betäubung nachgelassen hat

Wichtig ist, aufs Essen zu verzichten, solange die Betäubung noch anhält. Das Taubheitsgefühl in der Mundhöhle birgt das Risiko, sich beim Kauen zu beißen.

Blutdrucksteigernde Getränke: besser nicht

Viel Trinken ist gut, Salbei Tee kann beispielsweise den Heilungsprozess durch seine antibakterielle Wirkung unterstützen.

Vorsicht ist geboten bei Getränken, die den Blutdruck steigern. Verzichtet werden sollte daher auf Alkohol und Kaffe, aber auch Cola und schwarzer Tee.

Provisorischer Zahnersatz für die Einheilphase der Implantate

Sunflex auf Gipsmodell
Vinylprothese dient als Überbrückung bis zum fertigen Zahnersatz

Durch die Schwellung im Wundbereich ist im direkten Anschluss nach der Implantation ein Tragen von herausnehmbarem, nicht angepasstem Zahnersatz (z.B. als Provisorium) nicht sinnvoll.

Prothese weich unterfüttern, Implantate schonen

Eine klassische Situation ist der Wunsch eines Vollprothesen-Trägers nach mehr Halt und Komfort. Eine wackelige Zahnprothese lässt sich im Unterkiefer schon mit 2 Mini-Implantaten fixieren. In diesem Fall braucht der Patient nach der Implantation kein neues Provisorium, denn er hat ja bereit seine Zahnprothese

Die Implantate durch den Druck einer Prothese zu belasten, ist in der Regel 3-4 Tage nach der Implantation möglich und nach optimalem Implantationsverlauf unbedenklich. Die Unterfütterung mit einem weichbleibenden Unterfütterungs-Material wird empfohlen.

Besser keine Prothese nach Knochenaufbau/bei instabilen Implantaten

Hat ein Knochenaufbau stattgefunden und/oder konnten die Implantate nicht stabil eingebracht werden, kann das Tragen von Prothesen problematisch sein.

Interimsimplantate: die Komfortlösung

Ist das Knochenangebot auch zwischen den eingebrachten Implantaten gut und sind Wille und finanzielle Mittel da, können zur Überbrückung Interims-Implantate gesetzt werden.

Interims Implantate sind nur für den vorrübergehenden Verbleib in der Mundhöhle gedacht und können sofort belastet werden.

An vorübergehenden Implantaten lassen sich Prothesen oder feste Brücken komfortabel befestigen.

Die Freilegung nach geschlossener Einheilung

Das Zahnfleisch wird über dem Implantat mit einem Schnitt geöffnet
Das Zahnfleisch wird aufgeklappt, die Verschlussschraube des Implantats ist sichtbar
Die Verschlussschraube des Implantats wird herausgedreht
Der Gingivaformer wird eingeschraubt und das Zahnfleisch geschlossen

Insbesondere nach einem Knochenaufbau ist die geschlossene Einheilung, also das dichte Vernähen des Zahnfleisches über dem Implantat, die sicherste Methode, damit alles geschützt und „in Ruhe“ heilen kann.

Die Phase der Einheilung kann nach einem Knochenaufbau zwischen 6-9 Monate dauern, bevor eine Versorgung von Implantaten mit Zahnersatz möglich ist.

Implantat freilegen = Zahnfleisch öffnen

Nach einer geschlossenen Einheilung muss der Implantologe Zugang zu der Innenverbindung des Implantats bekommen. Das geht nur, wenn das darüber liegende Zahnfleisch geöffnet wird. Anschließend wird das Zahnfleisch um das Implantat mit Hilfe eines so genannten Gingivaformers entsprechend in Position gebracht.

Das Zahnfleisch wird über dem Implantat mit einem kleinen Schnitt eröffnet. Alternativ, wenn die exakte Position des Implantats bekannt ist, kann das Zahnfleisch darüber auch mit einer Stanze geöffnet werden. Der Eingriff findet unter Betäubung statt.

Abdruck direkt nach Freilegung oder Tage später

Der Abdruck ist dafür da, die genaue Implantatposition im Kiefer anzuzeigen. Dadurch kann der spätere Zahnersatz so geplant werden, dass er perfekt passt.

Technisch ist es möglich, den Abdruck dafür direkt nach der Freilegung zu machen. Aus ästhetischen und funktionellen Gründen macht es aber durchaus Sinn, dem Zahnfleisch ein paar Tage Zeit zu geben, zu heilen. Die Zahnersatzplanung kann dann präziser erfolgen.

Zahnersatz Anfertigung auf Implantaten erfolgt nach der Einheilung

gingivaformer frontzahn
Implantat in der Front...
frontzahnimplantat mit keramikabutment
...bekommt zahnfarbenes Keramikabutment...
frontzahnimplantat mit Krone
...und wird mit einer ästhetisch perfekten Zahnkrone versorgt.

Ist das Implantate mit dem Knochen verheilt und belastbar, kann der Zahnersatz gefertigt werden. Die  Abdrucknahme ist direkt nach der Freilegung oder einige Tage danach erfolgt.

Digitaler Abdruck für Zahnersatz per Scan

In vielen modernen Zahnarztpraxen wird statt eines analogen Abdrucks ein Scan erstellt. Der digitale Abdruck wird direkt vom Behandlungsstuhl aus an das Zahnlabor übermittelt. Das spart einige Arbeitsschritte, unter anderem muss der Patient keinen Abdrucklöffel mit Masse im Mund fest werden lassen.

Zahnlabor fertigt Zahnersatz individuell an

Durch den Abdruck hat das Zahnlabor alle Daten, um die Positionen aller noch vorhandenen eigenen Zähne, des Kieferkamms und die des Implantats (der Implantate) in ein Modell zu übertragen. 

Das Bindeglied zwischen Implantat und Zahnkrone oder Prothese nennt sich Abutment. Je nach Situation können Abutments angepasst und geformt werden.

Bei der Zahnfarbe der neuen Zähne wird sich an noch vorhandenen eigenen Zähnen orientiert oder eine passende Zahnfarbe geschätzt. Bei Frontzähnen ist die Anfertigung von Zahnkronen eine besonders anspruchsvolle Aufgabe und etwas für einen Experten!

Zahnersatz erst probetragen, dann engültig einsetzen

Bei größeren Arbeiten sind vorab Anproben üblich. Der gefertigte Zahnrsatz wird anschließend vorübergehend eingesetzt, damit der Patient Zeit hat, ihn probezutragen. Stört noch etwas? Kaut es sich gut? Wenn alles passt kann festsitzender Zahnersatz (Kronen, Brücken) endgültig eingesetzt werden.

Die Nachsorge: Implantate kontrollieren lassen

Patient in der Zahnbehandlung
Zahnimplantate regelmäßig kontrollieren lassen

Die Implantat-Gesundheit und die Haltbarkeit werden durch die Nachsorge mitbestimmt. Innerhalb des ersten Jahres nach Implantation sind ein bis zwei Röntgenkontrollen notwendig, um Veränderungen zu erkennen. Hat es eine Veränderung gegeben (Lage, Knochen, Entzündung) wird eingegriffen.

Sitzt das Implantat richtig und ist gesund?

Der feste Sitz im Knochen wird mithilfe eines Festigkeitstests (Periotest) überprüft. Der Zustand des Zahnfleisches um das Implantat wird ebenfalls unter die Lupe genommen. Durch vorsichtiges Sondieren des Zahnfleischsaums wird die Blutungsneigung überprüft. Eine Entzündung würde sich in einer Blutungsneigung äußern.

Übrigens

Ein gesundes Zahnfleisch liegt straff am Implantat an, blutet nicht bei Sondierung, Berührung oder Zähneputzen und ist blass-rosa.

Auch Prothesen regelmäßig kontrollieren lassen

Die Kontaktpunkte der Zähne beim Zubeißen werden auch überprüft. Bei herausnehmbarem Zahnersatz auf Implantaten müssen die Kieferabschnitte regelmäßig auf Veränderungen untersucht werden. Eine Unterfütterung (Unterlegung) der Prothesensättel kann nötig sein, um Knirschen oder Zähnepressen zu vermeiden.

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